Cum-Ex oder der Staat schaut weg?

Cum-Ex oder der Staat schaut weg?

Im Moment ist es wieder etwas still geworden um die bösen Bänker und Steuerhinterzieher. Aber wenn du aufmerksam die (Wirtschaft-) Nachrichten schaust oder liest, bist du über diesen Begriff schon gestolpert: Cum-Ex Geschäfte!

Ich habe ja schon erwähnt, wir sind Rentner. Die holen immer solange aus bis sie zum Kern der Geschichte kommen.

Früher (also vor 30-40 Jahren, waren Aktien noch aus Papier. Wenn du Aktien gekauft hast, hast du irgendwann deinen Eigentumsnachweis in Papier bekommen. Diese hat man meist im Tresor einer Bank verwahrt. Genauso wichtig waren die Couponscheine. Wenn du diese Couponscheine bei der Bank eingelöst hast, wurde dir die Dividende aus den Aktien ausgezahlt. In Deutschland ist dies bir heute 1x im Jahr. Das Leben war einfach: Kein Coupon – kein Geld.

Die Dividendentermine waren immer zu einem bestimmten Termin nach der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft.

Wenn du nun kurz vor diesem Terminen deine Aktien verkaufen wolltest, musstest du dich entscheiden: Cum oder Ex. Der Postweg war lang und du musstest dem neuen Eigentümer sagen, ob du oder er/sie die Dividenden bekommen. Schlicht gesagt, der Kaufpreis der Aktie bezog sich auf den Wert der Aktie plus (cum) Dividende oder ohne (ex) Dividende.

Dann kam der Computer. Die Aktien waren nicht mehr aus Papier und der Handel wurde immer schneller. Selbst am Tag der Hauptverhandlung wurden Aktien gehandelt. Die Sache mit den Dividenden war immer klar. Die Aktiengesellschaften beschlossen, dass nur der Eigentümer der Aktie an einem bestimmten Stichtag um 24 Uhr die Dividende bekommt.

Wo ist also das Problem?

Na ja. Für den deutschen Staat sind Dividenden Einkünfte, die der Besteuerung unterliegen. Und weil viele Leute schon vor hundert Jahren ihre Dividendeneinkünfte nicht in der Steuererklärung angegeben haben, hat der Staat die Kapitalertragsteuer erfunden.

Was ist das denn nun wieder?

Sagen wir Zalando zahlt eine Dividende (den Witz gönne ich mir) von 10€ pro Aktie. Du bekommst davon nur 7,50€, weil Zalando 25% Kapitalertragsteuer einbehalten müsste und dies an das Finanzamt abführt. Je nach Einkommen, kannst du dir diese 2,50€ in deiner Steuererklärung wiederholen.

Zalando schreibt nun einen netten Brief an alle Aktionäre, die am Stichtag eine Aktie bekommen haben und bestätigt, dass sie 2,50€ Steuern an das Finanzamt gezahlt haben.

Moment mal! Du hast deine Aktie aber um 14 Uhr verkauft und gar keine Dividende bekommen.

Tja, aber du kannst dir trotzdem die 2,50€ vom Finanzamt erstatten lassen.

Jetzt stell dir vor, wir reden nicht über 2,50€ sondern über 2.500.000.000€. Lohnt sich, oder?

Klingt verboten, war es aber lange nicht. Irgendwann hat auch der Staat gemerkt, dass gerade britische Banken sich daraus einen Spaß gemacht haben und hat das Spiel immer mehr eingeschränkt.

Na ja ein paar Trottel glaubten, sie könnten das Spiel noch länger spielen. Die standen und stehen jetzt vor Gericht.

Kurze Frage: Ist der deutsche Staat/Finanzminister doof?

Das würde ich so nicht unterschreiben. Man wollte die Banken und ihre Geschäfte stärken und hat es lange schlicht akzeptiert, so wegen Arbeitsplätze und so. Dann kamen ein paar Journalisten, die haben nur die Hälfte verstanden und haben daraus einen Skandal gemacht.

Was würden die erst zu dem Trick sagen, dass man sich vom britischen Staat die Zahlung von Steuern bestätigen lässt, die man niemals bezahlt hat und die aus deutsche Steuern anrechnen lässt….

Aber das ist etwas für Fortgeschrittene.

BilliMar

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